Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule Medien- und Drucktechnik der BBS Cuxhaven haben gemeinsam mit ihrem Religionslehrer Dr. Lutz Meyer eine rund einstündige Audio-Tour zu Orten jüdischen Lebens in Cuxhaven entwickelt. An acht Stationen können Interessierte per QR-Code in die Geschichte der jüdischen Gemeinde eintauchen und erfahren, wie eng jüdische Familien einst mit dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben der Stadt verbunden waren.
Für viele der Jugendlichen war die Beschäftigung mit diesem Kapitel der Stadtgeschichte Neuland. Im Rahmen intensiver Recherchen arbeiteten sie sich in die Lebensgeschichten jüdischer Familien ein und nutzten dafür unter anderem historische Quellen sowie die Veröffentlichungen der Historikerin Dr. Frauke Dettmer. Die Texte wurden von den Schülerinnen und Schülern selbst verfasst und eingesprochen, um den Geschichten eine persönliche und authentische Stimme zu geben.

Die Tour macht deutlich, wie selbstverständlich jüdische Bürgerinnen und Bürger bis 1933 zum Stadtbild gehörten. Kaufleute, Handwerker und Unternehmer wie die Familien Rosenthal, Gotthelf, Scharfstein oder Dankner waren angesehene Mitglieder der Cuxhavener Gesellschaft. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich dies jedoch innerhalb kürzester Zeit: Ausgrenzung, Boykotte, Enteignungen und Verfolgung zerstörten das jüdische Leben in der Stadt.
„Geschichte greifbar und konkret zu machen“ sei ein zentrales Ziel des Projekts gewesen, betonte Dr. Lutz Meyer. Die Audiotour soll zeigen, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur in großen Metropolen geschahen, sondern direkt vor der eigenen Haustür.
Der Rundgang startet am Gedenkstein in der Südersteinstraße und führt durch die Innenstadt bis zur Marienstraße. Die Strecke mit ihren acht Stationen ist in etwa einer Stunde zu bewältigen. Künftig wird die Tour über die Plattform „Guidable“ verfügbar sein. Ergänzend ist eine Begleitbroschüre entstanden, die die Rechercheergebnisse dokumentiert und weitere Hintergründe liefert.
Unterstützt wurde das Projekt vom Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln, der Landeskirche Hannovers und der Stadt Cuxhaven. Die Initiatoren hoffen, dass die Audiotour künftig von vielen Schulklassen, Einheimischen und Gästen genutzt wird, um die Erinnerung an das jüdische Leben in Cuxhaven lebendig zu halten.

Unsere Schulbroschüre