
Gerrit Roeding der EBFMedien stellt seine Rechercheergebnisse vor
Ein umgestürzter Baum und viel Engagement führten zu einer bemerkenswerten Aktion: Die BBS Cuxhaven hat den jüdischen Friedhof im Brockeswald nicht nur instandgesetzt, sondern seine Geschichte digital dokumentiert – und dafür den ersten Preis des Eco-Preises Elbe-Weser in der Kategorie „Soziales“ erhalten. Der Preis wird vom ZE – Zentrum für Entrepreneurship der PFH Private Hochschule Göttingen verliehen und ist mit 1.000 Euro dotiert.
Projekt angestoßen durch Rabbiner Jona Simon
Angeregt wurde das Projekt durch Rabbiner Jona Simon, der im Auftrag des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden rund 220 verwaiste Friedhöfe in Niedersachsen betreut. Anlass für das Engagement war ein umgestürzter Baum, der den Zaun des Friedhofs beschädigte. Den Kontakt zur BBS Cuxhaven stellte Britta Schumann vom Präventionsteam der Polizei her, und Ralf Salih, Koordinator Wirtschaft an der Schule, brachte alle Beteiligten zusammen, sodass das Projekt schnell organisiert werden konnte.

Engagement der Schülerinnen und Schüler
Die Schülerinnen und Schüler der BBS Cuxhaven waren in mehreren Klassen aktiv beteiligt: Die Berufseinstiegsklasse Holz unter Leitung von Herrn Gocke reparierte den beschädigten Zaun, während die Berufseinstiegsklasse Gartenbau unter Anleitung von Frau Dreßler das Gelände pflegte und Moos sowie Wildwuchs entfernte. Gleichzeitig organisierten die EBFB-Klassen gemeinsam mit den Lehrkräften Frau Millé und Herrn Woest eine Sammlung von Pfandflaschen und Dosen, wodurch insgesamt 500 Euro für Materialkosten zusammenkamen.
Die einjährige Berufsfachschule Medientechnik begleitete das Projekt mediengestützt, erstellte Fotos und führte ein Interview mit Rabbiner Jona Simon über die Bedeutung von Friedhöfen im Judentum. Im Rahmen des Religionsunterrichts, unterstützt von Schulpastor Dr. Lutz Meyer, setzte sich die Klasse intensiv mit der Geschichte des jüdischen Lebens in Cuxhaven seit dem 18. Jahrhundert auseinander und arbeitet derzeit an einer digitalen audiovisuellen Führung über das jüdische Leben während der Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung.
Der Friedhof im Brockeswald
Der jüdische Friedhof im Brockeswald entstand 1754, als Nathan Abraham die Genehmigung erhielt, seine früh verstorbene Tochter außerhalb von Ritzebüttel zu bestatten. 1818 wurde das Gelände vergrößert und gesichert. Bis heute zeugen rund 60 Grabsteine aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert von der Geschichte der jüdischen Gemeinde.
Praxisnahes Lernen und Verantwortung
Das Projekt verbindet praktisches Handwerk, historische Aufarbeitung und mediale Dokumentation. Es macht Geschichte erfahrbar, sensibilisiert für kulturelles Erbe und zeigt, wie junge Menschen Verantwortung übernehmen können. Diese umfassende Umsetzung war entscheidend dafür, dass das ZE – Zentrum für Entrepreneurship das BBS-Projekt mit dem ersten Preis in der Kategorie „Soziales“ auszeichnete.
Ein starkes Zeichen für Solidarität
Zum Abschluss der Preisverleihung betonte die stellvertretende Schulleiterin Frau Alexandra Kuck die Bedeutung des Projekts. Die Schülerinnen und Schüler der BBS Cuxhaven haben eindrucksvoll gezeigt, wie Demokratiearbeit vor Ort aussehen kann. Das Projekt stärkt nicht nur das Bewusstsein für Geschichte und Erinnerung, sondern fördert auch Verständigung und den Abbau von Vorurteilen – ein starkes Zeichen für gelebte Solidarität, Respekt und Verantwortung in Cuxhaven.
Text und Fotos: Dr. Lutz Meyer

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